
Vielen lieben Dank für die Einladung, hier eine Vortragsreihe zum Thema Essstörungen zu beginnen. Ich werde heute folgendermaßen vorgehen: Zum einen fokussiere ich mich auf eine Form der Essstörungen – auf die Bulimia Nervosa. Zum anderen erzähle ich einfach einmal, was mir als erstes einfällt. Aus den Fragen, die dabei entstehen – sowohl jene, die Sie mir heute hier vor Ort stellen, als auch jene, die Sie als Leserin unter meinen Blog schreiben – werde ich weitere Vorträge zusammenstellen. Teilweise werde ich es auch ausdrücklich dazu sagen, dass es hier Erklärungsbedarf gibt, der über die heutigen Ausführungen hinausgeht, und also ein weiterer Vortrag dazu stattfinden werden wird. Okay?
Wenn ich an Bulimie denke, sehe ich wunderbare Frauen vor mir mit einem großen Potenzial, mit außergewöhnlich viel Einfühlungsvermögen und emotionaler Intelligenz, mit besonderer intellektueller Leistungsfähigkeit, häufig außergewöhnlicher Sensibilität, Sensitivität und Schönheit, mit einer ausgeprägten Bereitschaft und Fähigkeit, sich sozial einzubringen und ihr Bestes zu geben. Mein Herz, daraus mache ich kein Geheimnis, schlägt für Bulimikerinnen. Lassen Sie mich erklären, wie ich zu einer solchen Aussage komme. Ich durfte in den letzten 25 Jahren geschätzt 300 Betroffene begleiten. Jede von ihnen war und ist einzigartig. Dennoch hat sich in mir ein Bild entwickelt, wie die Betroffenen im Großen und Ganzen sind. Wenn also extreme Ausreißerinnen im Dienste der erleichterten Kommunikation für´s Erste unberücksichtigt bleiben, dann bleibt ein Bild, wie sie mehr oder weniger sind. Noch einmal, um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Jede ist anders und jede ist besonders. In der Begleitung ist es daher wesentlich, ganz individuell vorzugehen, um sie wirklich in ihrer Essenz zu erreichen. Gleichzeitig gibt es aber eben sehr wohl Persönlichkeitseigenschaften, die mir, wenn sie dann zum x-ten Mal aufgetreten sind, bekannt vorgekommen sind. Auf diese Weise ist ein Grundstock an Merkmalen entstanden, der sich doch verallgemeinern lässt. Von diesem Bild spreche ich heute. Wenn Sie also Bekannte haben, bei denen das ganz anders zu sein scheint, dann ist das vorerst kein Widerspruch, es bedarf sehr wahrscheinlich lediglich einer näheren Betrachtung. Was ich hier heute sage, entspringt dem Bedarf, die Kommunikation einfach einmal zu starten. Ohne wen verletzen oder wem zu nahe treten zu wollen, spreche ich von dem, was typisch ist für Menschen mit Bulimie. Dazu gehört allen voran das Doppelleben, das sie führen – ein Leben zwischen Anpassung und Verweigerung. Um das verständlicher zu machen, möchte ich also ein paar ausgewählte Basisinformationen geben. Bitte nicht davon ausgehen, ich könnte hier in der kurzen Zeit ein vollständiges Bild einer Bulimikerin für Sie skizzieren, ich zeichne hier lediglich ein paar erste Schemen für Sie.
Diagnosekriterien
Das bulimische Symptombild besteht aus einerseits unkontrolliertem Essen in großen Mengen in überdurchschnittlicher Geschwindigkeit – wir sprechen hier wirklich von mehreren 1000 kcal. Zweiter Bestandteil des Symptoms ist mindestens eine kompensatorische Maßnahme, die darauf abzielt, das Körpergewicht zu regulieren – welches ansonsten stark ansteigen würde. Dazu zählt allen voran das selbstinduzierte Erbrechen, aber auch übermäßiger Sport, Diäten, zeitweiser Nahrungsenthaltung und der missbräuchliche Einsatz von Entwässerungstabletten, Abführmitteln und Diuretika. Hinzu kommt eine Gedankeneinengung auf die Themen Aussehen und Körpergewicht. Diese Merkmale müssen gemeinsam auftreten, damit laut ICD eine Bulimie Nervosa vorliegt. Der ICD ist die internationale Klassifizierung psychiatrischer Erkrankungen. Er liegt bereits in der elften Auflage vor. In dieser wurde die Symptomatik in ihrer Intensität niedriger angesetzt. Es wird bereits von Bulimie gesprochen, wenn über den Zeitraum von mindestens einem Monat einmal pro Woche ein Essanfall stattfindet, dem kompensatorische Maßnahmen folgen. Davor im ICD 10 war das noch mindestens zweimal pro Woche über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten. Das hat unter anderem etwas damit zu tun, dass nach wie vor zu wenige Betroffene professionelle Unterstützung bekommen. Wenn also das Vollbild der Bulimie früher erfüllt ist, wird die Diagnose öfter erteilt, das Essverhalten ernster genommen und damit die Chance auf professionelle Hilfe erhöht. Dieser Zusammenhang ist insbesondere deswegen wichtig, weil wir statistisch folgendes eindeutig sagen können: Wer sich bereits kurze Zeit nach dem Auftreten des Symptoms Unterstützung holt, hat eine größere Chance, komplett symptomfrei zu werden. Bei den Betroffenen, bei denen nach dem Auftreten des Symptoms mehrere Jahre verstreichen, bevor sie zum ersten Mal Hilfe bekommen, ist die Tendenz groß, dass sie über Jahrzehnte chronisch krank bleiben.
Weibliche Form
Warum spreche ich meist in der weiblichen Form? Richtig, weil nach wie vor der größte Teil der Betroffenen Mädchen und Frauen sind. Es gibt zwar zunehmend junge Männer mit Bulimie – und es hat sie auch immer gegeben, ich denke hier zum Beispiel an Elton John. Aber, um das ganz kurz hier anzureißen, deren Symptombild ist ein bisschen anders gelagert. Es geht zwar auch um die äußere Erscheinung, um ihre Figur, aber sie arbeiten dann viel mit Bodybuilding und muskelaufbauenden Substanzen, oder suchen häufig nach ihrer sexuellen Identität. Aber sie stecken biologisch gesehen in einem männlichen Körper, auch wenn sie sich möglicherweise etwas anderes wünschen. Daher ist das Phänomen etwas verschoben, dass die Identifikation mit dem weiblichen Körper für die Mädchen und Frauen oft so schwierig ist. Das Weibliche wird in unserem Kulturkreis traditionell abgewertet. Männer bekommen mehr Geld für gleiche Arbeit, Männer haben in unserer Religion das Sagen, die Menstruation wurde mit Abscheu behaftet… – all diese Dinge würden einen eigenen Vortrag füllen.
Hier und jetzt ich bezüglich der Ätiologie von Bulimie etwas ausholen. Wenn Menschen an Bulimie erkranken und wir uns deren Entwicklungsgeschichte anschauen, dann sind da stets eine Vielzahl an Bedingungen zu finden, die die Entwicklung der Essstörung begünstigt haben. Es geht um das gemeinsame Auftreten. Wir sprechen von einem Multifaktoriellen Entstehungsmodell. Es reicht nicht eine isolierte Ursache, um schließen zu können, es werde eine Bulimie auftreten.
In diesem Licht ist die angesprochene Identifikation mit dem weiblichen Körper zu verstehen. Also unter anderem ist das typisch für Frauen mit Bulimie, dass sie in ihrer Pubertät wenig Freude daran haben, in einem weiblichen Körper zu leben. Der Versuch, dünn zu sein, zieht nach sich, dass die biologisch bedingten weiblichen Rundungen zeitversetzt – wenn überhaupt – auftreten. Dieses Phänomen ist bei Männern aus besagtem Grund anders. Damit habe ich mich allerdings immer nur am Rande beschäftigt, dafür gibt es andere Experten. Deswegen erlaube ich mir bei der weiblichen Form zu bleiben und über die Ausprägung von Bulimie zu sprechen, wie ich sie von Mädchen und Frauen kenne.
Geheimhaltung
Stellen Sie sich vor, wenn eine Bulimikerin ein-, zwei-, dreimal pro Tag – in sehr exzessiven Phasen sogar öfter – 3000, 4000 kcal zu sich nimmt, sie in großer Hasst hinunterschlingt, sie wieder erbricht…, was das für eine Anstrengung ist. Wenn gleichzeitig aber das Symptom geheim gehalten werden muss und möchte – auch vor den nahestehenden Menschen, oft auch vor den Lebensgefährten – dann ist es notwendig frisch geduscht und gekleidet zu sein, bevor sie wieder unter Menschen gehen. Oft bleibt das Symptom für mehrere Jahre unentdeckt. Es ist schon ein unbehagliches Gefühl, im Zusammensein mit ihnen – oft bei Freundinnen zum Beispiel. Die haben manchmal so einen Eindruck, da ist doch irgendwas komisch, die sagt mir nicht die Wahrheit, die gibt vorgeschobene Gründe an, warum sie vielleicht einen Termin mit mir absagt oder verschiebt. Aber so richtig greifen können die Freundin meist nicht. Es sind eben auch Freundinnen, die ein bisschen auf Abstand gehalten werden. Wenn Sie wissen, dass dieses Verhalten über Wochen, Monate teilweise sogar Jahre regelmäßig auftritt, dann können Sie sich vorstellen, was diese Menschen für eine enorme Energie zur Verfügung haben, um das überhaupt zu meistern.
Beginne heute
Dr. phil. Johanna Schau
– Vorsätze sind Ausreden.
Scham
Diese Verhaltensweise, für sich alleine zurückgezogen hinter verschlossenen Türen – beziehungsweise das Erbrechen sogar hinter der verschlossenen Toilettentür – es beschämt die Betroffenen über die Maßen. Lassen Sie mich an dieser Stelle ein Zitat einer meiner Klientinnen vorlesen:
„Ich habe das Gefühl, der letzte Abschaum der Menschheit zu sein. Nicht nur wegen dem Verschwendender Nahrungsmittel, sondern ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich unehrlich bin, weil es ekelerregend ist, dauernd mit Erbrochenem zu hantieren und weil es etwas Abartiges hat, sich quasi selber dazu zu bringen den Magen wieder zu entleeren.“
Das Essverhalten soll auf keinen Fall entdeckt werden. Außerdem fehlt Betroffenen meist lange die Einsicht, ein Problem zu haben. Stattdessen werfen sie sich selbst vor, schlecht zu sein. Also wenn jemand ein Problem hat, dann kann er sagen: Okay, ich kann nicht anders, und ich brauch Hilfe. Aber die Betroffenen machen sich so lange vor, dass sie einen starken Willen haben und dass aus eigener Kraft, wenn der Wille halt wirklich voll eingesetzt werden würde, das Symptom einfach unterbrochen werden könnte. In dieser Weise nehmen sie sich quasi auch jeden Abend erneut vor, spätestens ab dem nächsten Tag normal zu essen. Also das wär vielleicht auch noch mal ein ganz spezielles Thema für einen Vortrag. Es gibt natürlich verschiedene Phasen der Erkrankung. Ich sprech‘ von einer Phase, in der es einen Leidensdruck gibt, in der die Betroffenen eigentlich wissen, sie sollten das nicht mehr machen. Es ist auch gesundheitsschädlich – nicht nur psychisch sondern wirklich auch physisch. Womit wir bei einem weiteren Vortragsthema wären. Also in einer Phase, in der Betroffene einen Leidensdruck haben und sich danach sehnen, normal essen zu können, da schwören sie sich sehr häufig für den nächsten Tag, dass sie nicht essen, dass sie eisern bleiben, dass sie keinen Essanfall haben und, dass sie sich auch ansonsten normal benehmen. Aber meist hat die Symptomatik an diesem Punkt bereits eine so starke Eigendynamik entwickelt, dass es ihnen nicht gelingt.
Suchtdynamik
Es ist eben nicht nur der Wille, der darüber bestimmt, wie sie essen. Wenn beispielsweise Gefühle auftreten – es müssen noch nicht einmal starke sein – und die Gewohnheit besteht, Gefühle mit dem Symptom zu kanalisieren, dann kann auf den Essanfall mit der nachfolgend kompensatorischen Maßnahme nicht einfach so verzichtet werden. In gewisser Weise hängt das Überleben von diesem Ablauf ab, oder zumindest kommt es ihnen so vor, weil gar keine anderen Wege erkundet werden konnten, mit Gefühlen umzugehen. Wir sprechen hier ja nicht von einer Substanz gebundenen Abhängigkeit, aber es gibt dennoch physiologisch gesehen Momente, die den Suchtkreislauf aufrecht erhalten. Wenn beispielsweise der Magen darauf eingestellt ist, viel Nahrung aufzunehmen, dann schreit er förmlich danach. Oder es kommt zur Unterzuckerung. Es gibt also auch körperliche Faktoren, die spüren sich so an, als würden sie Betroffene dazu zwingen, doch wieder zu essen.
Folgen Sie mir bitte gedanklich in die Vorstellung, dass der Tag vielleicht sogar gut beginnt, weil kein Frühstück gegessen wird. Aber Sie dürfen sich hier nicht eine einfache Zufriedenheit vorstellen. Nein, es ist ein euphorischer Zustand, in den sie sich in einer Weise gedanklich hinein steigern.
„Ich werde auch das Mittagessen ausfallen lassen und am Abend mein Sportprogramm machen. Wenn ich es heute schaffe und dann morgen auch, dann werde ich mein Zielgewicht erreichen. Dann bekomme ich den Job meiner Träume. Nichts kann mich mehr aufhalten.“
Aber sie kennen keine andere Weise sich zu regenerieren. Sie haben möglicherweise herausfordernde Momente in ihrem Tag, in denen sie sich verausgaben. Daher kommen sie nicht umhin, sich dann doch ein paar Bissen zu genehmigen. Zuerst haben sie natürlich die Absicht, sich auf gesundes Essen, das nur wenige Kalorien hat, zu beschränken. Aber meistens ist es ihnen gar nicht möglich, nach den ersten Bissen zu stoppen. Damit das gelingen könnte, wäre bereits ein intensiver Lernprozess notwendig. Stattdessen gehen sie dann doch über zu den verbotenen Nahrungsmitteln. Das ist auch meistens der Augenblick in dem innerlich eine Art Schalter umkippt und klar ist, es wird wieder ein Essanfall werden. Wie auf Autopilot geht es nun nur noch darum, sich ausreichend viel Nahrung zu besorgen. Wenn das geheim und sehr zur Belastung der eigenen Geldbörse gelungen ist, dann kommt der nächste Stress. Die Nahrung im Körper zu behalten, ist ein absolut unmöglicher Gedanke, der ist wirklich bedrohlich. Ihr Aussehen ist sozusagen alles, was sie meinen vorzuweisen zu haben. Nicht mehr dem schlanken Schönheitsideal zu entsprechen, ist damit gleichbedeutend, nicht mehr akzeptiert zu werden. Eine Gewichtszunahme darf daher keinesfalls passieren. Es muss die Nahrung ausgeschieden werden. Daher gehört das Erbrechen oder der übermäßige Sport oder, oder mit dem Essanfall zusammen. Damit sich das auszahlt, wird davor aber wenigstens richtig viel gegessen. Damit sind sie in einem Teufelskreislauf gefangen der wirklich starke, starke Impulse benötigt, um aufgebrochen werden zu können.
Umgang mit Gefühlen
Gehen wir nun also auf das bereits angesprochene Doppelleben ein. Im Kontakt mit anderen Menschen, vor allem in der Familie, Schule und im Berufsleben kann ein hohes Maß an Anpassung beobachtet werden. Das würden die wenigsten von ihnen über sich hören wollen, aber es ist eine gewisse Art von Unauffälligkeit für sie typisch. Sie verhalten sich so, wie es sozial erwartet wird, sie reißen nicht aus – ja vielleicht, weil sie besonders hilfsbereit sind, oder besonders gute Noten haben; aber sie sind niemals schwierig, laut, unselbständig, aufdringlich, frech… oder dergleichen. Auch das Gewicht, das in ihren Gedanken ja eine so bedeutende Rolle spielt, ist mehr oder weniger unauffällig. Meist sind sie zwar eher am unteren Ende des Normalgewichts, aber das entspricht ja eben unserem westlichen Schönheitsideal, und so sind sie damit zwar vielleicht schön, oder besonders schön, aber nicht auf den ersten Blick Anlass für Sorge.
Auf der anderen Seite haben wir die Verweigerung, die dann stattfindet, wenn niemand anders anwesend ist, der das mitbekommen oder bezeugen könnte. In diesem Zustand wird all das untergebracht, was während der Anpassung keinen Platz hat. Es wurde vorhin auch schon kurz gesagt, Gefühle können generell ganz schlecht ausgedrückt werden und benötigen das Ventil des bulimischen Symptoms. Das benennen von Gefühlen ist schon etwas, was nicht gut geübt worden ist, meistens wurde es nicht unterstützt vom Umfeld, in dem die Betroffenen aufgewachsen sind. Wir sprechen hier von den primären Bezugspersonen, den Eltern – also das können die leiblichen (Groß-)Eltern sein das können Adoptiveltern sein -, aber in späteren Jahren auch andere nahe Verwandte, weitere Verwandte und wichtige Bezugspersonen aus Kindergarten und Schule oder auch dann noch – während einer Lehrzeit zum Beispiel – im frühen Berufsleben. Diese Verhaltensweisen, die von den primären Bezugspersonen vorgelebt, als Beispiel zur Verfügung gestellt,vermittelt worden sind, sind tendenziell bei Betroffenen eher so gelagert, dass man mit Gefühlen nicht in den Ausdruck geht, sondern: sie ´runterschluckt, still schweigend erträgt, am besten nicht wahrnimmt und schon gar nichts davon bespricht, sie kreativ ausdrückt – also damit in gesunder Weise umgeht. Dieser letzte Satz ist insofern bedeutsam, als er schon ein zentrales Thema der therapeutischen Zielsetzung in den Raum stellt. Wenn Betroffene den gesunden Umgang mit Gefühlen entwickeln, dann erübrigt sich das Symptom größtenteils. Es wird einen weiteren Vortrag benötigen um zu unterscheiden was sind Gefühle, und was sind im Unterschied dazu Emotionen, da das Handeln von Emotionen wirklich herausfordernd sein kann. Hier nur so viel: Gefühlen machen klar, was ein Mensch für Bedürfnisse hat, was zu einem passt was einem entspricht womit ein Mensch sich identifizieren kann. Wenn sie nicht wahrgenommen werden, tritt an ihre Stelle eine Suche nach Normen und Regeln. Diese werden dann übernommen als Leitlinien für richtig und falsch. Sie können von wichtigen Bezugspersonen stammen, von der Gesellschaft, Religion, Tradition… und verankern sich stark im Über-Ich. Sie scheinen für einige Situationen passable Lösungen zu sein und werden daher von Betroffenen mit all ihnen zur Verfügung stehenden Kräften eingehalten. Wir haben vorhin bereits angesprochen, dass sie meistens über viel Energie verfügen.
Meine Vision
Um das bisher Gesagte auf den Punkt zu bringen: Aus meiner Sicht sind Menschen mit Bulimie solche, sie haben viele Begabungen, viele Fähigkeiten, viel Kreativität. Andererseits machen sie sich selbst zu einer 0815-Person. Gut in der Schule zu sein, ist schon auch ein bisschen besonders, aber sie erlauben sich nicht, wirklich ihre ganz persönliche Note zu leben. Sobald sie aber ihrem Weg folgen, in Richtung Persönlichkeitsentwicklung, und sie den Mut aufbringen, sie selbst zu sein, dann sind sie meistens Personen, die in ihrem Umfeld viel Positives bewirken. Ich geh soweit, dass ich sag: a es wär eine gesellschaftlich spürbare Veränderung, wenn alle Bulimikerinnen mit einem Schlag wirklich voll in ihrem Potenzial leben würden und symptomfrei ihre Gaben in die Welt bringen. Sie hören schon, da ist meine Vision drinnen. Hier wird klar, wofür ich mich einsetze, was meine Motivation ist, schon seit Jahrzehnten mit Betroffenen zu arbeiten oder zumindest im Bereich der Forschung Antworten zu finden, wie diese meine Vision möglich werden oder zu einem immer größeren Teil realisiert werden könnte. In diesem Sinne schließe ich für heute.
Ich denke ich hab einige Fragen aufgeworfen mit dem, was ich jetzt heute erzählt hab. Die Fragen können gerne in den Kommentaren gestellt werden, ich werde in meinen nächsten Vorträgen so gut wie möglich darauf eingehen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.